Orgelmeisterkurs mit Ton Koopman bei Gottfried Silbermann in Freiberg

 

International besetzt war die Runde der Teilnehmer und Teilnehmerinnen, die sich vom 19. bis zum 22. Juni 2008 in der „Silbermann-Stadt“ Freiberg zum Meisterkurs mit Ton Koopman eingefunden hatte. Organistinnen und Organisten aus Dänemark, Großbritannien, Spanien, Frankreich, der Schweiz, Ungarn und den Niederlanden, aber natürlich auch aus Deutschland waren gekommen, um (wahlweise in aktiver oder in passiver Teilnahme) einen der prominentesten Kenner und Interpreten der Barockmusik zu erleben.

 

Kursprogramm waren die Orgelwerke von Jan Pieterszoon Sweelinck, Dietrich Buxtehude und Johann Sebastian Bach. Das gesamte Spektrum von Fragen hinsichtlich der historischen Aufführungspraxis kam während des Kurses zur Sprache. Historische Finger- und Fußsätze wurden klanglich plausibel. Hinweise zur Artikulation ergaben sich immer wieder aus der Frage „Wie würde das ein Barockor­chester spielen? Welche Gestaltung ergäbe sich auf der Oboe, auf dem Cello?“. Grundlegender An­satz war, die Orgel im Gesamtkontext der instrumentalen Musik. Andererseits standen die Besonder­heiten der Orgel im Blickpunkt. Anhand von Sweelincks weltlichen Liedvariationen wurden beispiels­weise die Unterschiede in der Darstellung auf der Orgel oder auf dem Cembalo in den Blick genom­men. Ausführlich diskutiert wurden auch die Fragen der Quellen, sowohl im Blick auf die Aufführungs­praxis, wie auch hinsichtlich der Kompositionen selbst. Gerade die schwierige Quellenlage für die Kompositionen Dietrich Buxtehudes und die Probleme, die sich den Herausgebern der verschiedenen Ausgaben stellen, wurden immer wieder an Detailfragen deutlich. In bemerkenswerter Weise zeigte sich Ton Koopman hierbei als Kenner der unterschiedlichen Lesarten in den einzelnen Handschriften. Besonders erfreulich war, dass die gemeinsamen Gespräche nicht nur auf die Kurszeiten beschränkt waren, sondern auch beim Mittagessen und beim Wein (nicht nur als Fachgespräche) bis in die spä­ten Abendstunden in gemütlicher Runde fortgeführt werden konnten.

 

Neben dem herausragenden Dozenten war auch das Kursinstrument eine wirkliche Attraktion. Die Gottfried-Silbermann-Orgel der St. Petrikirche in Freiberg aus dem Jahr 1735 entstand zur gleichen Zeit wie die Orgel der Frauenkirche in Dresden und ist mit ihren 32 Registern das größte zweimanualige Werk aus seiner Werkstatt. Die Restaurierung im Jahr 2007 stellte die originalen Verhältnisse wieder her. Schon an der Disposition wird Silbermanns späte Zuwendung zum auch von Johann Se­bastian Bach ausdrücklich präferierten „gravitätischen“ Klang deutlich (Principal 16´ im Hauptwerk, Groß Untersatz 32´ im Pedal). Bemerkenswert die fülligen Flöten, der runde Klang des Plenums, die Wucht der Pedalzungen. Und auch die anderen drei Silbermann-Orgeln in Freiberg waren zu erleben. Am Donnerstagnachmittag fand der Kurs am etwas kleineren Instrument in der Johanniskirche statt. Die beiden Silbermann-Orgeln im Freiberger Dom erklangen im beeindruckenden Dozentenkonzert am Donnerstagabend mit Kompositionen von Sweelinck, Buxtehude, Mozart und Bach. Es stand ebenso wie das von Teilnehmern bestrittene Abschlusskonzert in der Petrikirche am Sonntagmittag im Zusammenhang eines interessanten kleinen Festivals „Freiberger Renaissance“ mit verschiedenen anderen Konzerten und Vortragsveranstaltungen, dem sich eine 1-wöchige Orgeltour nach Dresden, Brandenburg und Berlin anschloss unter der Leitung von ORGANpromotion.

 

Janis Berzins, Braunlage